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Vereinfachter Grundriss des Robend in Viersen mit Standortpunkten

Walter Feld

Bachstraße

Walter Feld wuchs an der Bachstraße auf – in einer Zeit, in der das Leben draußen stattfand. Fernseher? Gab es nicht. Aber dafür: Straßen voller Kinder, festgetretene Wege statt Asphalt und eine unerschöpfliche Fantasie. Gespielt wurde, was sich gerade ergab – mit Pfennigen, Murmeln, Reifen oder selbstgebauten Lumpenbällen.



In einer Zeit und Gegend in der sich nicht alle Familien Vereinsmitgliedschaften leisten konnten, schufen sich die Kinder ihre eigenen Spiel- und Sportmöglichkeiten – egal ob auf der Straße oder auf den Wiesen der Umgebung. Besonders beliebt war „Pennigs geschmiete“, bei dem man Münzen möglichst nah an eine Linie oder eine Wand warf – wer am nächsten lag, durfte beginnen – und konnte mit etwas Glück auch ein paar Pfennige gewinnen. Auch beim „Knicker“ ging es um Geschick und Glück. Mit dem Schuhabsatz wurde eine kleine Mulde, ein „Külcken“, in den Boden gedrückt – und dann versuchte man, mit der Glasmurmel genau zu treffen. Traf man sogar die Kugel eines anderen, hieß es stolz: „Titz in der Tätsch!“ – und man durfte sie behalten. Auf festeren Bürgersteigen wurde „Dopp“ gespielt: Ein Holzkreisel wurde mit der Peitsche angetrieben, möglichst lange sollte er tanzen – nach links, nach rechts, ganz gleich. Nicht überall funktionierte das, aber wo es ging, war das Spiel ein Highlight. „Kaiser, König, Bettelmann“ wurde in Kreisen gespielt, die man um sich herum in den Boden malte. Ein Stöckchen wurde geworfen, Kreise mussten verteidigt, Titel erkämpft werden. Es war nicht wichtig, was man besaß – entscheidend war, wie gut man sich ins Spiel einbrachte.


Viele dieser Spiele hatten keine Regeln auf Papier, sondern wurden von den Kindern im Moment gemacht. Was zählte, war der Spaß – und dass es nichts kostete. Schuhe wurden zweckentfremdet und Stöcke wurden zu Staffelstäben. An der Bachstraße liefen die Kinder zwischen den Strommasten um die Wette – mit selbstgebauter Start- und Ziellinie.

Wenn es regnete, ging es unter die große Bahnunterführung – die inoffizielle Halle des Viertels. Zwar hallte es dort laut, aber es war trocken – und der Ball rollte gut. Sie führte direkt zu den Feldern, und weil kaum Verkehr herrschte, wurde sie kurzerhand zum Spielplatz erklärt. Selbst wenn ein Bauer mit seinem Fuhrwerk vorbeikam, sprang man einfach kurz zur Seite – dann ging das Spiel weiter. Egal ob mit alten Fahrradfelgen, die mit Stöcken angetrieben wurden, oder mit Lumpenbällen, die zusammengenäht wurden – denn echte Lederbälle waren teuer und selten. Wer doch einmal einen geschenkt bekam, etwa zur Kommunion, war der Held der Straße – und die „Halle“ wurde zum Stadion.


Gespielt wurde bis zum Abend – bis die Schatten lang wurden und jemand von zuhause rief.


Trotz aller Einfachheit war diese Zeit reich an Gemeinschaft, Erfindungsgeist und unvergesslichen Momenten. Genau diese Erinnerungen brachte Walter Feld auch in unseren Workshop zum Viersener Bahnhof ein, den er mit großem Engagement leitete. Mit seiner ruhigen Art ließ er Geschichte lebendig werden – nicht nur für sich selbst, sondern für uns alle.

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